Nr. 02 - ''In die Bausubstanz statt in den Verbrauch investieren''

Wenn sie ein Haus bauen, da waren sich Verena und David Amann einig, dann sollte es einen sehr hohen Energiestandard erfüllen. Herausgekommen ist ein schickes, großzügiges Passivhaus auf einem Traumgrundstück vor den Toren von Isny. Am dortigen Gymnasium unterrichtet David Amann Mathematik und Physik. Gleichzeitig engagiert sich der 38-Jährige in der Initiative „Freie Energiestadt Isny“ und ist Vorsitzender der Isnyer Energiegenossenschaft, die unter anderem Photovoltaik-Projekte realisiert. Wir sprachen mit David Amann über sein Haus, energetische Fußabdrücke, die Luxusware Öl und die Vorzüge eines kompetenten Planungsteams.

 

Herr Amann, das Passivhaus ist immer noch ein Nischenprodukt. Für Sie und Ihre Frau kam keine andere Lösung in Frage. Warum?

Ich habe mich bereits während der Studienzeit intensiv mit Umweltschutzthemen beschäftigt und im umweltpädagogischen Bereich engagiert. Als dann später Professor Pfeil sticker für Isny ein Konzept entwickelt hat, wie die Stadt energieautark werden kann, war ich davon absolut fasziniert. Der sparsame Umgang mit den Ressourcen war also schon immer mein Ding. Kennen Sie das Fußstapfenprinzip?

 

Nein, klären Sie uns doch bitte auf.

Jeder Mensch hinterlässt in seinem Leben einen CO2-Fußabdruck. Mein Ziel ist es, meinen Fußabdruck so flach wie möglich zu halten, also möglichst wenig Energie zu verbrauchen. Wir werden Erdöl noch einige Zeit für die Herstellung von wichtigen Werkstoffen und die Mobilität brauchen. Öl einfach zu verheizen, ist ein Luxus, den wir uns angesichts der Knappheit dieses Rohstoffes, eigentlich nicht mehr leisten können und der auch irgendwann verboten wird, da bin ich mir sicher. Nachdem die Technik und das Know-how vorhanden sind, liegt es doch nahe, ein Haus zu bauen, das nur einen Bruchteil der Heizenergie benötigt, die in einem konventionell gebauten Haus verbraucht wird.

Der Bau eines Passivhauses ist teurer.

Natürlich ist das eine Budgetfrage. Wir sind auch an unsere finanziellen Grenzen gegangen. Aber es macht in meinen Augen deutlich mehr Sinn in die Bausubstanz als in den Verbrauch zu investieren. Wir haben sehr viel herumgerechnet, bis wir mit Unterstützung der Experten von Herz & Lang, eine Lösung gefunden haben, die unseren finanziellen Möglichkeiten entspricht und gleichzeitig einen zukunftsweisenden Energiestandard erreicht. Wenn manche Leute sagen, Öl ist doch noch so billig, ein Passivhaus, das rechnet sich nie, dann gehen sie immer von dem Jetzt-Preis aus. Wäre die Wirtschaftskrise nicht gewesen, würden sich heute die Energiepreise in ganz anderen Sphären bewegen. Ich glaube, dass in drei Jahren der Ölpreis dreimal so hoch sein wird wie heute.

Die Entwicklung der Energiekosten als Unsicherheitsfaktor?

Absolut. Das ist ein wichtiger Punkt. Wir haben die Ausgaben für unser Haus im Griff. Wir wissen, wie viel Zins wir zahlen müssen und welche Tilgungsraten anstehen. Die Energiekosten sind durch den Bau eines Passivhauses eine vernachlässigbare Größe. Das können die Hausbesitzer mit EnEv- oder KfW60-Standard nicht sagen. Da können die Nebenkosten auf einmal dramatisch steigen.

Sie haben sich schon vor dem Hausbau intensiv mit dem Thema Passivhaus beschäftigt. Hätten Sie mit Ihrem Wissen und der Hilfe eines Architekten nicht auch ohne Unterstützung des Planungsbüros Herz & Lang Ihr Haus bauen können?

Wir hatten ja anfangs noch andere angebliche Fachleute im Rennen. Da waren zum Beispiel zwei Zimmereien, die gesagt haben, sie können uns ein Passivhaus hinstellen. Aber dann haben wir schnell gemerkt, dass die zwar vom Holzbau eine Ahnung haben, aber bei weitem nicht die Kompetenz mitbringen, die für das ganze Projekt notwendig sind. Ich selbst bin vielleicht nicht ganz unbedarft, viele Dinge habe ich jedoch erst während der Bauphase gelernt. Beim Passivhaus ist es wahnsinnig wichtig, dass das Gesamtkonzept stimmt. Und von daher war Herz & Lang der absolut richtige Partner. Da lag Architektur, Bauplanung, Statik und die Bauleitung in einer Hand. Ich denke, es gibt in der Region nur sehr wenige Architekten und Planer, die so viel Erfahrung im Passivhausbau haben wie Herz & Lang. Dieses Wissen hat sich auch positiv auf unsere Ausgaben ausgewirkt.

Inwiefern?

Ich hätte nicht gedacht, wie wichtig es ist, dass ein Experte über die Handwerkerrechnungen schaut. Über die Qualität der Arbeit von unseren Handwerkern lasse ich nichts kommen. Aber es gab doch Firmen, die vielleicht versehentlich nicht korrekt abgerechnet haben. Das hat unser Bauleiter von Herz & Lang gleich bemerkt und mir gesagt, wie viel ich überweisen darf. Insgesamt muss man sagen, dass Herz & Lang mit realistischen Zahlen arbeitet. Da wird beim Angebot nicht mit geschätzten Beträgen jongliert und hinterher kommt die böse Überraschung. Wir hatten vor dem Start die Fakten auf dem Tisch. Das ist bei einem so wichtigen Projekt wie dem Hausbau sehr viel wert.

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